Beiträge getagged mit Bahnhof

FDP fordert Abriss des Bahnhofsgebäudes

Für CDU denkbar Variante / Bündnisgrüne und SPD lehnen kategorisch ab / Stadt: Gespräche mit Kaufinteressenten

Bahnhof Twistringen

Der FDP-Vorstoß, den alten Bahnhof durch eine moderne Alternative zu ersetzen, löst nächste Debatte aus. /// Foto: Wilke/Kreiszeitung

Twistringen (tw) • Was soll bloß aus dem altehrwürdigen Twistringer Bahnhofsgebäude werden? Die Liberalen im Stadtrat glauben nicht mehr an einen Investor. Ihr Vorstoß: abriss und dann ein moderner Glas-Neubau. Für die CDU wäre das eine Variante, wenn alle finanziellen Stricke reißen. Mit der SPD und den Bündnisgrünen ist ein Abriss des historischen Gebäudes gar nicht zu machen. Sie hoffen immer noch auf die laufenden Gespräche mit der Stadt mit einem interessierten Investor.

Dach des Twistringer Bahnhofes

Im Dach der Güterabfertigung klafft ein großes Loch. /// Foto: Wilke/Kreiszeitung

“Es gibt bis heute kein Konzept, um die kommunalen Investitionen wieder reinzuholen. Die Stadt hat das Bahnhofsgebäude vor fünf Jahren gekauft”, stellt FDP-Sprecher Ansgar Wilkens fest. Und Ratsfraktionskollege Fritz Wüppenhorst: Im vergangenen Jahr habe es ja ein schönes Studentenmodell gegeben, aber angesichts der städtischen Schulden sei an weitere Investitionen gar nicht zu denken. Im Bereich der Güterabfertigung klaffe ein großes Loch im Dach, der alte Fassadenklinker bröckele teilweise schon. Innenräume seinen seit Jahren nicht bewohnt. “Der Erhalt des Bahnhofsgebäudes ist zwar erstrebenswert, aber nicht zu finanzieren”, ist Wüppenhorst überzeugt. Außerdem gebe es noch den Grundsatzbeschluss des Rates, nichts mehr in den Bahnhof zu investieren.

Ansgar Wilkens bringt nun eine Alternative ins Gespräch: das Gebäude abreißen, die Fläche modern überdachen (mit Solarnutzung), zunächst einen erweiterbaren Glaskontainer mit kleinen Läden hinstellen – nach dem Beispiel des Hamburger Busbahnhofs, nur viel kleiner. Auf dieser Basis sei eher ein Investor zu finden. Die FDP will nun einen Planer beauftragen, der ihre Vorstellungen zu Papier bringt, damit Rat, Verwaltung und Bevölkerung eine Vorstellung davon bekommen.

Dachüberstand Twistringer Bahnhof

Die Dachüberstände des verwaisten Nebengebäudes haben in den letzten Jahren ganz erheblich gelitten. /// Foto: Wilke/Kreiszeitung

“Wenn es keine Investoren gibt, dann könnte der Abriss eine Variante sein”, gibt CDU-Stadtverbandsvorsitzender und Ratsherr Hubert Diephaus-Borchers zu bedenken. “Aber es laufen ja noch Gespräche. Ich kann nicht beurteilen, wie vielversprechend sie sind.” Die CDU würde sich aber nicht auf ein finanzielles Wagnis einlassen. Wirtschaftlich gesehen, sei die Wiederbelebung des Bahnhofs ganz schwierig. Bestes Negativbeispiel: Bassum.Der Abriss ist für Bündnis’90/Die Grünen “vollkommen indiskutabel, überhaupt keine Grundlage”, betont Hermann Niederwestberg. Der Vorstoß der Liberalen sei “Quatsch”. Man müsse darüber reden, was aus dem Bahnhofsgebäude werden solle. Bassum habe gerade ein bisschen Probleme, aber gute Beispiele für ein funktionales (gebrauchstaugliches) Gebüde könne man sich in Barnstorf und Syke anschauen.SPD-Sprecher Friedrich Nordmann: “Ein Abriss auf keinen Fall, das ist mit uns nicht zu machen.” Es wäre schon schön, wenn es bald einen Käufer gebe, um das Bahnhofsareal aufzuwerten.

Tag für Tag stehen mehr als 300 Fahrräder am Bahnhof, 1.200 bis 1.300 Pendler nutzen die Bahnstrecke. Seit Dezember 2010 verkehrt zusätzlich die Regio-S-Bahn. Im Frühjahr 2011 war aus dem Rathaus die verheißungsvolle Nachricht zu vernehmen, es gebe einen ernsthaften Interessenten, der die Immobilie kaufen wolle, allerdings nur das Hauptgebäude. Für die alte Güterabfertigung werde noch ein passender Partner gesucht. Inzwischen sind erneut Monate verstichen.
“Es ist extrem schwierig”, erkläürt auf Nachfrage Twistringens Erste Stadträtin Birgit Klingbeil, die auch für die Wirtschaftsförderung zuständig ist. Allerdings: “Der Bahnhof ist Chefsache.” Karl Meyer, zurzeit im Urlaub, sei weiterhin am Ball. Deshalb kann Klingbeil auch nicht bestätigen, ob schon ein konkretes Verhandlungsergebnis vorliegt, gescheige denn ein unterschriftsreifer Vertrag.
Die Stadträtin beschäftigt das Thema wie viele Twistringer. eue Ideen hört sie immer wieder, aber am Ende muss ein Konzept wirtschaftlich vertretbar sin und die nötige Nachhaltigkeit bescheren. “Es wäre schade, wenn der Bahnhof patt gemacht würde. Die Stadt hat das Gebäude seinerzeit erworben, um die historische Substanz und den baulichen Charakter zu bewahren”, erinnert Birgit Klingbeil. Jede Nachnutzung, die den Gebäudeerhalt garantiere, sei der Stadt willkommen. Deshalb sei der Abriss auch kein Thema im Rathaus.

Artikel der Kreiszeitung vom 27.08.2011

Keine Kommentare

Nachfolgerin für den Ersten Stadtrat

News
Foto: Wikipedia Commons

Twistringen (tw) • 20 Bewerbungen, darunter wenige von Frauen, – von Hessen bis Schleswig-Holstein – landeten auf dem Tisch von Bürgermeister Karl Meyer. Vier Kandidaten schafften es in die engere Wahl: Der Twistringer Stadtrat wird am Donnerstag, 31. März, in öffentlicher Sitzung über die Nachfolge des bisherigen Ersten Stadtrates Karl-Heinz Stöver entscheiden, der jüngst in Pension gegangen ist.

Auf Nachfrage erklärte Bürgermeister Meyer gestern, es handele sich bei der favorisierten Person um eine Bewerberin, die dem Rat vorgeschlagen werde. Sie stamme aus dem Twistringer Raum. Auf die Frage nach dem Alter hieß es: “Sie steht für mindestens zwei Amtsperioden zur Verfügung.” Soll heißen: insgesamt 16 Jahre. Mehr wollte Meyer nicht sagen. Er müsse zunächst die Entscheidung des Rates abwarten. Der Bürgermeister geht aber davon aus, dass seine Kandidatin, deren fachlicher Schwerpunkt auch auf der bei der Stellenausschreibung im Winter geforderten Wirtschaftsförderung liegt, vom Rat gewählt wird. Schließlich habe im Verwaltungsausschuss Einvernehmen darüber geherrscht. Außerdem sei für das Auswahlverfahren extra ein Arbeitskreis mit Vertretern aller Ratsfraktionen eingesetzt worden. Fünf Bewerber habe man zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, einer von ihnen habe allerdings abgesagt. Meyer wird demnach das ihm zustehende Vorschlagsrecht wahrnehmen, das der Rat nicht übergehen darf. Sollte es am 31. März allerdings doch keine Einigung geben, ist ein neuer Anlauf notwendig.

Bürgermeister Meyer berichtete schließlich auf Nachfrage noch, dass sich der nichtöffentliche Verwaltungsausschuss des Rates am kommenden Dienstag erneut mit dem Thema Bahnhofsgebäude und zukünftige Nutzung befassen wird. Demnach liegt das konkrete Angebot eines potenziellen Investors vor.

Artikel der Kreiszeitung vom 24.03.2011

Keine Kommentare